Die klassische Sitzordnung mit Tischdame und Tischherr, die gediegenen Smalltalk betreiben, kann durchaus die Grundlage eines gelungenen Abends sein, der auch vor den Augen des Freiherrn von Knigge Gnade fände, doch für eine Spaßparty nach Trauung und Hochzeit ist sie eine eher untaugliche Voraussetzung. Auch wenn uns Filme wie „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ und ähnliche Hochzeitsfilme das Gegenteil zeigen.
Trotzdem ist die Wahl derer, die für eine lange Hochzeitsfeier Sitznachbarn sein werden, eine enorm wichtige. Man sollte im Vorfeld dabei viele Dinge bedenken, die auf den einfachen Nenner zu bringen sind: Wer kann mit wem? Und fast noch wichtiger ist die Beantwortung der Frage: Wer kann wen nicht ausstehen? Diese beiden wichtigen Fragen sollte sich das Brautpaar im Vorfeld der Hochzeitsvorbereitungen sehr ehrlich beantworten. Saloppe Hoffnungen frei nach dem Motto „die werden sich schon mal ein paar Stunden vertragen“ lösen sich meist im Nichts auf und zerschellen an den Realitäten.
Sind beispielsweise die Eltern der Braut und/oder des Bräutigams geschieden und leben glücklich in neuen Beziehungen, hassen jedoch den oder die Ex wie die Pest, haben die heiratswilligen Kinder ein Problem, das sich nur schwer lösen lässt, ohne einen der Beteiligten zu verletzen. Das blonde Trophy-Wife des Vaters, das nur unmaßgeblich älter ist als die Braut auf der Hochzeitsparty? – das „kann ich meiner Mutter nicht antun!“ Soll der Brautvater deswegen ausgeladen werden und von der Gästeliste verschwinden? Doch auch dieses Problem ist lösbar, wenn sich das Brautpaar immer wieder vor Augen führt, dass es schließlich IHRE Feier ist, die sie da planen und dass sie somit auch ein Anrecht auf einen gesunden Egoismus haben. In der Sitzordnung der Party landen Brautvater samt neuer Frau Kontinente entfernt von der Brautmutter und ihrem Neuen. Nur Sadisten würden sie einander gegenüber platzieren...
Auch die ausgewogene Mischung von Jung und Alt will gut überlegt sein. Es empfiehlt sich nicht, bereits bei der Planung eine strikte Generationentrennung vorzunehmen, die ergibt sich, wenn überhaupt, im feuchtfröhlichen Fortschreiten des Abends sowieso.
Die Sitte, im Vorfeld auf der Sitzordnung bereits die Jungen von den Alten zu separieren und die kleinen und jüngeren Kinder an den so genannten „Kinder- oder Katzentisch“ zu verbannen , sollte der Vergangenheit angehören. Auch hier ist bei der Mischung der Gäste auf der Liste viel Wissen und noch mehr Fingerspitzengefühl gefragt.

