Der Junggesellen-Abschied findet in der Regel einige Tage vor dem Polterabend statt und der wiederum steigt – je nach Kondition des Brautpaares und der Menge der Gäste – einen oder zwei Tage vor der Trauung. Die Verabschiedung des Heiratswilligen vollzieht sich inmitten seiner Freunde und Kollegen. Gefeiert wird mit seiner Fußballmannschaft, seinen Squash-Partnern oder im Gleitschirmfliegerclub. Singt er in seiner Freizeit im Chor oder spielt Schlagzeug in einer Band, dann sind es seine Mit-Sänger oder Musiker, die diesen Abend organisieren und alles vorbereiten. Denn der Junggesellen-Abschied wird nicht vom Bräutigam organisiert, sondern von seinen Freunden. Dazu gehört eine Örtlichkeit, beispielsweise die Anmietung eines Pubs, viel Alkohol, genügend zu Essen, um jenen auch zu vertragen und vor allem: jede Menge möglichst komischer Einfälle, um den Bräutigam „vorzuführen“ und ihm einen unvergesslichen Abend zu bescheren. Schadenfreude gehört mit zum Repertoire dieses Abends, deswegen sollte der abschiednehmende Junggeselle immer mit dem Schlimmsten rechnen.
Wie beispielsweise der heiratswillige Fußballfan, der als Teil seines Junggesellen-Abschieds in ein Schalke-Trikot samt Fanschal gesteckt wurde und – flankiert von seinen unbarmherzigen Freunden – in der Südkurve mitten unter die gelb-schwarz gewandeten beinharten Dortmund-Fans platziert wurde. Die fanden das gar nicht lustig, sind doch Schalke und Dortmund seit Ewigkeiten Erzrivalen, die einander nicht ausstehen können. Nur der mehrfache Hinweis auf den Junggesellen-Abschied verhinderte, dass es dabei zu Tätlichkeiten kam, die vielleicht die Hochzeit gefährdet hätten, denn wer möchte denn schon mit einem blauen Auge seiner Liebsten das „Ja-Wort“ geben?!?
Ein nicht ganz so gefährlicher Scherz ist dagegen das Engagieren einer Stripperin, die all ihre Reize spielen lässt. Mit vollem Körpereinsatz und unter dem Beifall aller Feiernden führt sie den armen Junggesellen ein letztes Mal in Versuchung. Unsere englischen Nachbarn sind die wahren Könige des Junggesellen-Abschieds. Um deren Einfälle goutieren zu können, braucht man wirklich englischen Humor. Da wird schon mal der Bräutigam lebendig begraben oder nackt nachts auf der einsamen Landstraße ausgesetzt. Sicher haben diese Scherze auch eine therapeutische Langzeitwirkung: Denn so schrecklich geht es (hoffentlich) in der zukünftigen Ehe nicht zu...

